Die NeuLand-AG „Urban Gardening 2.016“ ist noch nicht gegründet, hat aber schon mal inoffiziell die Arbeit auf- und die Zukunft vorweggenommen. Blühende Landschaft aus Brauereibrache haben wir ja schon. Aber spätestens in drei Jahren sind wir weiter. Die erste Nummer unserer Hochglanz-Illustrierte erscheint: Die „NeuLandlust“ mit praktischen Tipps für alle, denen ihr Leben unerträglich harmonisch erscheint. Zweite Idee: Was machen wir mit allem, was wir im Garten produzieren? In drei Jahren geben wir die Antwort in unserem NeuLand-Flagship-Store an der Schildergasse. Möge die Pacht mit uns sein. Doch schon jetzt werden intern Diskussionen geführt. Gehört das Kaufhaus, über das wir verhandeln, neben dem Kaufhof und gegenüber von Sport Scheck nicht der Kirche? NeuLand und der Erzbischöfliche Stuhl? Kann es da Gemeinsamkeiten geben? Auf der einen Seite diese über alle Partei- und sonstigen Grenzen geachtete Institution mit ihren allwöchentlichen Versammlungsriten, ihren Konflikten zwischen dem Streben nach Eigentum und völliger Besitzlosigkeit und der harschen Kritik der Mitglieder an denen da wo auch immer „oben“. Und auf der anderen Seite: Die altwehrwürdige katholische Kirche. Kann das gutgehen? Glaube versetzt Berge. Hoffentlich den neben dem Gewächshaus. Wir bleiben dran.
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In einer an sich reichen Welt hungern immer noch mehr als 840 Millionen Menschen. Die Gründe dafür sind vielfältig und mitunter komplex: Die politisch forcierte Produktion von Agrokraftstoffen aus Mais, Soja oder Zuckerrohr tritt in Konkurrenz zur Fläche, die zum Anbau von Nahrungsmitteln zur Verfügung steht. Spekulationen mit Grundnahrungsmitteln an den Warenterminbörsen sind eine der Ursachen für schwankende und immer unberechenbarere Preise für Essen – Menschen, die schon bis zu 80 Prozent ihres Einkommens für Nahrung ausgeben, können sich ihr Essen schlichtweg nicht mehr leisten. Die Folgen des Klimawandels bedrohen wegen immer häufiger auftretenden Extremwetterereignissen wie Dürren oder Überschwemmungen ganze Ernten. Land Grabbing – der Kauf und die Pacht von riesigen Landflächen vornehmlich im globalen Süden – beraubt Kleinbäuerinnen und Kleinbauern ihres Zugangs zu Land oder Wasser.In einer Vielzahl neuer politischer Initiativen erhält das Agribusiness strukturellen Einfluss auf Reformen in den Ländern des Südens – oftmals zum Vorteil der Konzerne und zum Nachteil marginalisierter Bevölkerungsgruppen.
Vortrag im Vringstreff
Jan Urhahn, Referent für Landwirtschaft und Ernährung bei der Organisation für Entwicklungszusammenarbeit INKOTA netzwerk e.V. erläutert in seinem Vortrag die fatalen Zusammenhänge und zeigt Lösungsansätze. Anschließend habt ihr die Möglichkeit zu fragen und zu diskutieren.
Termin: Montag, 27. Januar, ab 19.30 Uhr im Vringstreff, Im Ferkulum 42. Der Eintritt ist frei.
Uta von Winterfeld (Wuppertal Institut) im Dialog mit urbanen GärtnerInnen: Am Mittwoch, 16.1, 19 Uhr, laden die Köln International School of Design (Lehrstuhl Prof. Günter Horntrich) und Kölner NeuLand in der KISD am Ubierring 40 zum Allmende-Abend. Das Thema: Wem gehören die Gärten? Die mittelalterliche Allmende (im Mittelhochdeutschen auch al(ge)meinde) gründet auf gemeinschaftlichem Eigentum. Mit Beginn der Neuzeit zieht das private Eigentum in das Denken und in die politischen Verfassungen ein. Doch heute erzählen die Urbanen Gärten eine andere Geschichte.
Partizipation und Governance
PD Dr. Uta v. Winterfeld hat Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin studiert, dort promoviert und sich habilitiert. Seit 2006 lehrt sie als Privatdozentin zur Sozialpolitik am Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften der Freien Universität Berlin. Seit 1993 ist sie Wissenschaftlerin am Wuppertal Institut, seit 2008 Projektleiterin in der Forschungsgruppe 1, Zukünftige Energie- und Mobilitätsstrukturen. Forschungsschwerpunkte: Gesellschaftliche Natur- und Geschlechterverhältnisse; Nachhaltiges Arbeiten; Suffizienz; Partizipation und Governance; Anpassung an den Klimawandel.
Januar
Da sind wir mit Wolfgang Niedecken aber sowas von einer Meinung. Auch wenn unser Nachbar uns mit diesem Lied nicht gemeint hat. Unfassbar, was wir in diesem Jahr erlebt haben. Grund genug, um in Bild und Text zurück zu blicken. Los ging es im Januar mit der Planungskonferenz in der Halle des Volkes.
Februar
Landgewinnung stand Anfang des Jahres sofort nach der Schneeschmelze im Vordergrund: Wie immer nach dem NeuLand-Motto – Viele Hände, schnelles Ende. Allerdings hat es doch ein bisschen gedauert, bis dass alles rot war. Heute stehen im Hintergrund Kisten. Und dahinter entsteht die Gastronomie.
März
Das Gewächshaus steht und hat ein Dach. Die ersten Reinhautage des Jahres waren gut besucht. Wir schafften was. Auch mit Hilfe einer Gruppe von Auszubildenden der Heimerziehungspflege, die bei uns Hand anlegten. Büro- und Lager-Container waren gekauft. Die Gartensaison begann.
April
NeuLand bekam eine Kathedrale der besonderen Art. Unter Michels Anleitung bauten wir einen Weiden-Dom. Johann van den Bongard hat uns über die Haltung von Bienen inforrmiert. Ein weiterer großer Schritt war das kleine Strom- und Wasserhäuschen, das wir an der Schönhauser Straße errichtet haben. Die Anschlüsse ließen dann aber doch noch bis September auf sich warten. Für jeden Hipster ein must have: Unsere selbst genähten Taschen.
Mai
„Wir feiern die kalte Sophie“ lautete das Motto unseres Frühlingsfestes. Und unsere Gäste feierten bei sommerlichen Temperaturen den vorläufigen Sieg über die Eisheiligen. Professor Jürgen Friedrichs klärte uns auf über Arm und Reich in der Stadt. Wie man in in einer solchen lebt und trotzdem nachhaltig produzierte Lebensmittel aus der Region bezieht, war Thema eines weiteren Vortrags. Wir haben mit Flüchtlingen gegärtnert, Tomatendächer gebaut und DIY-Videos gedreht. Jetzt kann jeder sehen, wie man Anzuchttöpfchen baut.
Juni
Bei NeuLand ist ab jetzt der Ofen an. Lara, Hanna und Andi haben in allerbester Allmende-Manier ihr Wissen geteilt und mit der Hilfe der Vielen einen Pizza-Ofen gebaut. Präsent waren wir auch beim Südstadt-Straßenfest. Dort haben wir Pflanzen verkauft. Bundesweit berühmt wurden wir nach einem Besuch von „A tempo“-Mitarbeitern. Ein mehrseitiger Bericht über NeuLand war in der Zeitschrift zu lesen, die in allem dm-Märkten kostenlos auslag. Und auch im Film machten wir eine gute Figur.
Juli
Unbestrittener Höhepunkt der Ganzjahres-Feierlichkeiten auf NeuLand war unser Sommerfest mit mehreren hundert Gästen. Auf einem kleinen Markt konnte man Artikel rund ums Gärtnern kaufen, die kulinarische Vielfalt war überwältigend, und die Musik von Kwaggawerk sowieso. Jede Menge Informationen zum Thema Artenvielfalt und -erhaltung gab es von der Rheinischen Garten-Arche. Zuvor hatte unsere Arena ihren ersten großen Auftritt. Sängerinnen und Sänger des „Weißen Holunders“ gaben ein Von-abends-spät-bis-morgens-früh-Konzert. Mächtig was los war auch bei der ersten Ausgabe der Schnibbelparty, bei der wir mit Produkten aus dem Garten im Garten gekocht haben. Und dann hat auch noch Klaus der Geiger mit seinem Salon-Orchester bei uns ein umjubeltes Platzkonzert gespielt. Auch der „Vorkoster“ aus der gleichnamigen WDR-Serie gab sich bei uns die Ehre.
August
Jungs, bringt das Ding nach Hause! Wir haben den Bauwagen ersteigert, der früher am Kalscheurer Weiher stand. Er dient uns als Kiosk. Ein weiteres Gartenmöbel ist unser neuer Kristallplalast am Eingang Koblenzer Straße. Das ARD-Morgenmagazin hat in mehreren Live-Schaltungen an einem Tag von 6 Uhr bis 9 Uhr über uns berichtet. Und jede Menge köstliche Paella gab es nach einem Vortrag über urbane Gärten in Detroit. Mit vielen neuen Erkenntnissen kehrte eine achtköpfige Delegation vom Sommercamp der Urbanen Gärten in Berlin-Lichtenberg nach NeuLand zurück.
September
Höchichlichster Besuch auf NeuLand: Der Eigentümer unserer Fläche, der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW, war in Person des Chefs, Rolf Krähmer, bei uns zu Gast und machte sich ebenso wie Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes ein Bild von unserem Garten.
Oktober
Wir waren Gastgeber für ein Seminar der Stiftungsgemeinschaft anstiftung & ertomis. Gemeinschaftsgärtner aus dem ganzen Bundesgebiet informierten sich bei uns darüber, wie man einen urbanen Garten gründet. Zahlreiche leckere Produkte aus eigenem Anbau und eigener Herstellung standen im Mittelpunkt unseres Erntedankfestes. NeuLand goes Mongolia ist das Motto in unserer Glasjurte, die als Wintergarten und kleines Veranstaltungszentrum dienen soll. Jetzt müssen wir zunächst schauen, dass wir ein stabiles Dach bauen.
November
Drei zentrale Ereignisse beherrschten den November. Zum einen natürlich unser Klausurtreffen im Vringstreff, das uns allen einen großen Schub in Richtung Zukunft gegeben hat. Zum anderen haben wir den nicht ganz unwichtigen Zwischennutzungsvertrag mit dem Liegenschaftsbetrieb nach zweijährigem Tauziehen unterzeichnet. Und dann hat sich bei uns die höchst umtriebige Kräuter AG gegründet, die unseren Veranstaltungskalender mit Workshops und Exkursionen bereichert.
Dezember
Natürlich haben wir zum Jahresabschluss eine unserer legendären Partys gefeiert: Glühwein, Punsch und Chutneys waren die Renner beim Gartenglühen. In Atem gehalten hat uns die Politik. Nachdem es zunächst hieß, auf unserer Fläche könnte ein neues Justizzentrum entstehen, suchen Stadt und Landesbetrieb nun nach Alternativ-Standorten. Es bleibt aufregend. Wir gehen das an!
„Er spaziere halt gerne und oft durch die Stadt, sagt Paul Bauwens-Adenauer, das mache ihm Spaß. Nun ist Müßiggang im Terminkalender des Chefs eines großen Bauunternehmens, der zudem auch noch Präsident der Industrie- und Handelskammer zu Köln ist, kaum vorgesehen.“ So hieß es zu Beginn eines Textes im Stadt-Anzeiger über einen Spaziergang mit dem mächtigen Mann im November. Und der kritisierte das Stadtbild nach Herzenslust.
Termingestresster Müssiggänger
Wie bitte? Das kam uns doch sehr bekannt vor. Da, wo der termingestresste Müißggänger für die Zeitung Schau lief, war unser Freibeuter doch längst gewesen. Beispiele? Domplatte: „Das ist kein Platz mehr, das ist eine Katastrophe“, so Paul BA im November. Der Freibeuter im September: „Hier wächst noch nicht mal in den Ritzen zwischen Platten Löwenzahn. Und die Pilze vor dem Dom-Hotel sind auch nur aus Beton.“ Die wurden nach der vernichtenden Kritik des Piraten übrigens umgehend abgerissen. Breslauer Platz: Paul BA: „Nehmen Sie den Breslauer Platz – ein Scheusal ohnegleichen.“ Der Freibeuter im August: „Der Breslauer Platz soll das Antlitz unserer Stadt mitprägen? Mal ehrlich: Mit dem Gesicht sollte Köln nur noch Nachtschicht schieben.“ Der Paule aus dem Hause Adenauer adoptiert von Bauwens nur ein mieser Plagiator? Dem Piraten die Ideen abzocken wie einst dem BLB die Kohle?
Löwenhöhentüren blieben ungeöffnet
Da hat sich unser Totenkopf-Freund aber umgehend aufgemacht zur Höhle des Baulöwen und wollte den zur Rede stellen. Doch die Löwenhöhlentüren blieben wie erwartet ungeöffnet. Aber dass das jetzt mal klar ist: Paule, wir wissen, wie die Klingel klingt! Und eines ist trotz allem ja auch richtig. Paul BA bedient sich ja nicht nur der Ideen von Freigeistern und -beutern. Er gibt auch zurück. Zum Beispiel als Mitbegründer der unter sozialen Gesichtspunkten politisch unglaublich korrekten Initiative „Suchet der Stadt Bestes“. Na gut, das war einfach. Lange suchen muss uns Paule nicht. Da reicht ein Blick auf sein Festgeldkonto.
So, jetzt ist die erste Katze aus dem Sack. Und umgehend darin wieder verschwunden. Denn jetzt ist der Liegenschaftsbetrieb des Landes (BLB) am Zug. Baudezernent Franz-Josef Höing hat in der jüngsten Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses im „nichtöffentlichen Teil“ acht Standorte vorgestellt, die aus seiner Sicht besser für den Neubau eines Justizzentrums geeignet sind als unser NeuLand-Gelände. Der BLB wil ja bei uns dieses Zentrum bauen. Das stößt bei unserem Baudezernenten nicht auf Zustimmung. Im Gegenteil, es gibt Alternativen: Ganz weit vorne sieht Höing eine Fläche in der Messe-City hinter dem Deutzer Bahnhof und an zweiter Stelle drei Freiflächen in Kalk zwischen dem Odysseum und dem Polizeipräsidium, die für den Neubau zusammengefasst werden sollen. Nach sechs weiteren Grundstücken auf dieser Liste, die laut Höing bessere Voraussetzungen bieten, wird unseres als „bedingt geeignet“ auf Platz neun eingestuft.
Rat muss Beschluss fassen
Geprüft wurden Kriterien wie Verfügbarkeit, Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr und den Individualverkehr sowie die Eigentumsverhältnisse. Für NeuLand heißt es in der Vorlage von Höing, dass der Rat einen neuen Beschluss fassen müsste, weil an dieser Stelle im Entwicklungskonzept Südliche Innenstadterweiterung, das der Rat kürzlich beschlossen hat, eine weiterführende Schule und Wohnbebauung vorgesehen sind. Zudem wird darauf hingewiesen, dass ein neuer Büroblock eine Barrierewirkung zwischen Bayenthal und der Südstadt entfalten würde. Die Flächen in Kalk haben einen großen Vorteil: Sie gehören zum Teil dem Liegenschaftsbetrieb des Landes (BLB).
Wir gewinnen wieder Zeit
Was heißt das für uns NeuLänder? Zunächst einmal: Wir gewinnen wieder Zeit. Der BLB will bis Februar 2014 alle zehn Grundstücke, die die Stadt als geeignet oder bedingt geeignet vorgeschlagen hat, auf ihre Tauglichkeit für ein Justizzentrum prüfen. Nach allen Erfahrungen schaffen die das so schnell im Leben nicht. Seien wir wohlwollend und rechnen mit einer Entscheidung im Herbst 2014. Und jetzt nicht mehr ganz so wohlwollend: Mal angenommen, die Entscheidung lautet Bayenthal. Und jetzt mal überhaupt nicht mehr wohlwollend: Ein Bebauungsplanverfahren würde unter welchen Umständen auch immer im Frühjahr 2015 in Gang gesetzt. Das dauert mindestens zwei Jahre, in der Regel länger. Dann sind wir im Frühjahr 2017, wahrscheinlich später, und der Rat, von dem wir jetzt nicht wissen, wie er dann zusammengesetzt ist, wäre aufgerufen zu entscheiden, ob er dem Bau eines Justizzentrums zustimmt. Für uns Gärtner bedeutet das: NeuLand bleibt mindestens bis zum Ende der Gartensaison 2017 auf seinem angestammten Platz. Wahrscheinlich länger.Für alle, die das Justizzentrum ablehnen, gilt ab jetzt: Wenn wir Guten nicht kämpfen, gewinnen die Schlechten. Die Stadtverwaltung rät dem BLB übrigens dringend, den Bau an der Luxemburger Straße zu sanieren. Dieser Standort erfülle alle Anforderungen sozusagen ideal.




















