NeuLand Köln

Gemeinschaftsgarten im Kölner Süden

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Vandalismus – NeuLand wird sich wehren!

Frank stellt die Boxen wieder auf die Böcke.

Frank stellt die Boxen wieder auf die Böcke.

Im Moment überwiegt bei den NeuLändern natürlich die Wut. Irgendwelche Vollidioten haben nachts zwei Bienenboxen umgetreten. Unser Bienen-Mentor Frank schätzt, dass ein Volk verloren ist. Für das andere bestehe Hoffnung. Aber trotz dieses Rückschlags lassen wir uns natürlich nicht entmutigen. Schließlich ist die Imkerei auf NeuLand von Anfang an eine Erfolgsgeschichte. Bis zu neun Völker haben in den vergangenen Jahren bei uns im Garten friedlich Honig produziert. Bis zu 30 Kilo pro Volk. Einige unserer Imker haben sogar schon schwärmende Völker gefangen und auf NeuLand „einlogiert“. Es geht immer weiter. Frank hält regelmäßig Seminare für bis zu 40 angehende Imker. Eins steht fest: Wir werden uns auf keinen Fall unterkriegen lassen von Schwachköpfen, die wir mit großer Wahrscheinlichkeit sogar kennen. Wir haben bei der Polizei Anzeige erstattet. Vorschläge, wie wir uns darüber hinaus gegen bestimmte Leute zur Wehr setzen, diskutieren wir derzeit intern.

Wirsing im Weltall

Gelandet: UFO-Gewächshaus im Garten.

Gelandet: UFO-Gewächshaus im Garten.

Es gab bei NeuLand mal eine Frau, die hat allerhand schiefe Ebenen aus Brettern gebaut. „Landebahnen für Wirsing“ seien das, teilte sie auf Anfrage mit. Schließlich kreise das Gemüse unablässig im All, immer auf der Suche nach Möglichkeiten, zur Erde zu gelangen. Wir zumindest waren vorbereitet. Jetzt scheint ein UFO bei uns gelandet zu sein. Jedenfalls sieht die ehemalige Kuppel eines Dachfensters so ähnlich aus. Prima Gewächshaus übrigens. Ansonsten startet die Saison, und NeuLand ist mal wieder ziemlich sexy. Fast alle Beetkisten sind vergeben, zahlreiche Neu-Gärtner am Start. Es gibt eine Warteliste für die Kisten. Wir versuchen, es allen recht zu machen. Das Interesse von Menschen aus aller Herren Länder an der Fahrrad-Gang steigt von Mal zu Mal. Und es ist eine Freude zu sehen, wie sich die Menschen über ihre neuen Räder freuen. Da werden manche „ersten Runden“ über NeuLand zum Jubel-Korso.

Vielfalt in mehr als 1000 Köpfen: Das 1. Kölner Saatgutfestival war riesig!

Mehr als tausend Besucherinnen und Besucher sind vergangenen Samstag ins Studienhaus der Volkshochschule geströmt. In fünf Räumen und dem Festivalcafé drängten sie sich oft in Dreierreihen, um mit Saatgutanbieterinnen und -anbietern, Gemeinschaftsgärten und Ernährungsinitiativen ins Gespräch zu kommen. Das 1. Kölner Saatgutfestival (nach bereits drei Saatguttauschbörsen) hatte NeuLand gemeinsam mit Vertreterinnen anderer Kölner Gemeinschaftsgärten organisiert.

Einen Nachmittag lang wurde in der VHS samenfestes Saatgut getauscht und erworben, gärtnerisches Wissen geteilt und lebendig über Vielfalt und regionale, saisonale Ernährung diskutiert. Am NeuLand-Stand im ersten Stock konnten Kinder mit Andrea basteln, Simon tauschte Saatgut für den Gemeinschaftsgarten ein und Gisela brachte Honig und NeuLand-Infos an Mann und Frau, während Doro unten das Rahmenprogramm mit Vorträgen und Filmvorführung moderierte.

Rahmenprogramm, vollgepackt mit Wissen rund ums Saatgut

Im Vortragsraum herrschte so viel Andrang, dass die BesucherInnen oft nur Stehplätze ergattern konnten. Dr. Susanne Gura vom Verein für Nutzpflanzenvielfalt (VEN) zeigte in ihrem Vortrag, wie bedroht die Sortenvielfalt in Garten und Feld ist, und welche erfolgreichen Ansätze es gibt, um sie zu bewahren. Sabine Lütt, Saatguterhalterin aus dem Hunsrück, teilte ihr praktisches Wissen zu Saatgutgewinnung und Sortenerhalt mit mehr als 70 Besucherinnen und Besuchern. Birgit Scherer-Bouharroun vom VHS Biogarten Thurner Hof warf in ihrem Kurzvortrag Ideen in den Raum, wie jeder und jede im Alltag einen Beitrag für mehr Vielfalt leisten kann. Und mehr als 80 Menschen folgten dem Dokumentarfilmer Valentin Thurn, der die internationalen Entwicklungen auf dem Saatgutmarkt und die Folgen für die Welternährung darlegte und dafür Ausschnitte aus seinem Film“ 10 Milliarden – wie ernährten wir die Welt?“ zeigte. Große Begeisterung fand die Vorstellung seines Vereins von Taste of Heimat und die Idee des Food Policy Councils (Ernährungsrat), der sich am 7.3. in Köln gründen sollte.

Zwischendurch konnten die Besucherinnen und Besucher im Festivalcaféteria im nahegelegenen hdak-Kubus bei Kaffee und Kuchen die Ausstellung „Boden – Grund zum Leben“ des Bundesministeriums für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung erleben und an den Ständen der Gemeinschaftsgärten lernen, wie man Seedballs herstellt, Tomaten pikiert und Sonnenblumen vorzieht. Das Festival endete mit der Vorführung des Dokumentarfilms „Die Saatgutretter“ (2013).

Ernährungssouveränität: selbst entscheiden, wie man sich gut ernährt

Saatgut und Ernährung sind Themen, die immer mehr Menschen beschäftigen. Viele kamen nicht nur aus rein gärtnerischem Interesse, sondern auch wegen ihrer wachsenden Sorge vor den globalen Auswirkungen industrieller Nahrungsmittelproduktion. An den Ständen und Tischen, im Café und auf den Gängen drehten sich viele Gespräche um regionale, saisonale, nachhaltige Ernährung und auf welche Weise die Ernährungssouveränität für den Einzelnen, aber auch für die Stadt und die Gesellschaft zurückgewonnen werden kann.

Geplant als Festival der Saatgutvielfalt, wurde das 1. Kölner Saatgutfestival ein Raum vielfältiger Vernetzung zwischen Menschen mit Haus- oder Schrebergärten, GemeinschaftsgärtnerInnen, Lebensmittelherstellern und Lebensmittelgemeinschaften, GastronomInnen und VertreterInnen von Initiativen und Organisationen. Die Saat, die hier die Besitzer wechselte, wird in den kommenden Monaten und Jahren vielfältig in den Gärten und auf den Balkonen von Köln und seinem Umland wirksam werden – wir hoffen, auch in den Köpfen der Menschen.

 

„Ich glaube an diese Kiste“

Judith erklärt die Formalitäten.

Judith erklärt die Formalitäten.

Es geht wieder los. Zwei Dutzend Neugärtnerinnen und Neugärtner sind unserem Aufruf gefolgt und haben ein Beet in privater Verantwortung und dazu ein Allmendebeet übernommen. Judith, die eigentlich unter einer amtlich diagnostizierten Listenallergie leidet, hat alle Neuen mindestens so amtlich namentlich und mit der Kistennummer erfasst. Alex hat Tipps bei der Auswahl der Pflanzkisten gegeben und das interessierte Publikum anschließend in einem Workshop in die Geheimnisse von Aussaat und Vorziehen eingeweiht. Einige der Neuen legten sofort los und hübschten „ihre“ Kiste auf. Andere arbeiteten Kompost in ihr Beet ein. Die Entschlossenheit, mit der mancher zu Werke ging, hat uns beeindruckt. Ein Neugärtner, der eine in die Jahre gekommene Kiste für sich ausgesucht hatte, weigerte sich beharrlich, statt dieses Exemplars ein nicht reperaturbedürftiges jüngeren Datums zu übernehmen. Die Begründung war denkbar einfach und von keinerlei Zweifeln angekränkelt. Typisch NeuLand eben: „Ich glaube an diese Kiste.“ Wir ab sofort auch.

#ParkstadtSüd: Stand der Dinge

Foto 1-1Seit etwa drei Jahren ist das Gebiet rund um den Kölner Großmarkt, vom Eifelwall bis zum Rhein an der Südbrücke, städtebauliches Sanierungsgebiet. Will heißen: schlecht genutztes Innenstadtareal, auf dem ein neues Stück Stadt entstehen soll. Zwar ist die Sanierungssatzung aktuell nicht rechtskräftig, daran arbeite die Verwaltung aber, heißt es …

2015 fand der erste Teil des Bürgerbeteiligungsprozesses zur Entwicklung der Parkstadt Süd statt. Ein Dutzend abend- oder wochenendfüllende Veranstaltungen hielten Verwaltung, Experten, Planungsteams und gestaltungswillige BürgerInnen, unter ihnen 7 NeuLänderInnen, von März bis November auf Trab. Im November dann die Abschluss-Show im Stollwerck: Nachdem es lange geheißen hatte, aus allen Entwürfen und Eingaben werde die Verwaltung „das Beste“ rausnehmen, wurde plötzlich ein Gewinnerentwurf präsentiert.

Im Gewinner-Entwurf fehlt so manches – vor allem die Vision der Stadt von Morgen

Uns gefällt, dass er einen großzügigen Grüngürtel an der Bahntrasse vorsieht. Die Stadt der Zukunft sehen wir allerdings weit und breit nicht. Die kompakte Parkstadt, deren Wohn- und Geschäftsgebäude sich in dem Entwurf rund um die Großmarkthalle mit bis zum Teil acht Geschossen ausbreiten, ist nach konventioneller Block-Randbebauung geplant. Wir erkennen kaum Ansätze von alledem wieder, was wir und andere Initiativen in dem monatelangen Bürgerbeteiligungsprozess gefordert haben. Wo wird es Freiflächen für die Menschen geben, über deren Nutzung sie selbst entscheiden? Wie soll eine lebendige Stadt wachsen, mit gemeinschaftlichen Bauformen, wenn in großen Blöcken (und nicht in kleineren Parzellen) gedacht wird, die eher Großinvestoren locken? Und wo finden wir die essbare, autofreie Stadt mit modernen Verkehrs- und Versorgungskonzepten? 

Natürlich sei der Entwurf aus dem Hause RMP Lenzen/Ortner&Ortner Baukunst „erstmal nur als Serviervorschlag“ zu begreifen. Doch wie geht es nun weiter – lohnt es sich, weiter zu kämpfen?

Eine Vorlage für einen so genannten „integrierten Rahmenplan“ zur Entwicklung zum gesamten Gebiets will das Baudezernat noch im ersten Quartal diesen Jahres in die politischen Gremien geben. Was da die Politik genau diskutieren und absegnen soll, weiß die Öffentlichkeit bislang allerdings noch nicht. Doch man hört munkeln, dass es zum weiteren Fortgang der Bürgerbeteiligung im Frühjahr auch eine weitere öffentliche Großveranstaltung geben soll.

Wir sind gespannt, ob und wie die Stadtgesellschaft an den wirklich wichtigen Entscheidungen wie etwa zur Grundstücksvermarktung und zu den Vergabeprozessen beteiligt werden soll.

Warum wir uns schonmal umsehen…

Derweil haben wir uns im Januar schonmal einen Sonntagnachmittag lang auf dem gesamten Entwicklungsgelände umgeschaut. Achtung, wir gestehen: Wir prüfen schonmal die besten Standortoptionen für NeuLand. Denn zumindest eines ist klar: Unsere derzeitige Fläche gehört zu den ersten, die bebaut werden. Wir werden umziehen.

Man hilft sich: Workshop „Gemeinschaft und Kommunikation in Gemeinschaftsgärten“

160131_Workshop_WP_20160130_10_25_24_ProWie schafft man es, Mitmacher und Partner zu gewinnen, wie hält man eine Gruppe langfristig zusammen, wie organisiert man Gartenarbeit nachhaltig, und wie bindet man Flüchtlinge ein? Fragen wie diese bewegen viele Gemeinschaftsgarteninitiativen – man löst sie am besten in der Crowd! Bei uns heißt das dann „kollegiale Beratung“: Diejenigen, die gute Erfahrungen mit etwas gemacht oder Ideen erfolgreich erprobt haben, teilen ihr Wissen mit den KollegInnen aus den anderen Gärten. So kann die mittlerweile mehr als 600 Gärten starke Urban Gardening Bewegung fröhlich weiterwachsen.

Am 30. Januar kamen mehr als 20 Gemeinschaftsgärtnerinnen aus NRW und Niedersachsen in die Südstadt – zum eintägigen Workshop „Gemeinschaft und Kommunikation in Gemeinschaftsgärten“, den wir gemeinsam mit Gudrun Walesch von der Anstiftung und der Gartenwerkstadt Ehrenfeld organisiert haben. Uns hat es Spaß gemacht – das Helfen ebenso wie das Lernen. Danke insbesondere an Düsselgrün für eure Inspiration mit der Willkommensmöhre und an den Stadtgarten Bebelhof Braunschweig für die Mindmap-Idee!

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