Das gab’s noch nie und wird es ab jetzt öfter geben. Eine NeuLand-Klausur mit zeitweilig 30 Gärtnerinnen und Gärtnern im Vringstreff. Um 9.30 Uhr ging es los mit einem gemütlichen Frühstück. Nachdem uns der Moderator Daniel Hirschler (www.jetztkunft.net) die Spielregeln erklärt hatte, trafen wir uns in „Open-Space-Gruppen“. Die Themenliste reichte von „Ziele für 2014“ über „Zukunft der Gastro“ „Wieviel Gemeinschaft braucht der Garten“ bis „Finanzierung ab 2015“, „Allmende“ und „Kommunikation und Entscheidungen“. Anstrend war die Klausur, hilfreich und gut. Wir haben uns vergewissert, dass wir eine Menge erreicht haben. Und wir haben festgestellt, dass wir damit noch nicht restlos zufrieden sind. Zahlreiche Aufgaben wurden verteilt, die es jetzt abzuarbeiten gilt. Und im kommenden Jahr werden wir ein neues Fach in den gärtnerischen Stundenplan aufnehmen: Innehalten und genießen.
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Kompostwürmer, vor allem! Damit sie aus Küchenabfall, Ästen, Laub und Grünschnitt einen vorzüglichen Kompost reifen lassen. Überrascht waren wir, wie viele und auch jüngeren Menschen an diesem sonnigen, aber kalten Nachmittag aufschlugen, um gemeinsam mit uns zu häckseln, zu schaufeln, zu mischen – eben eine neue Kompostmiete richtig aufzubauen und dabei die unterschiedlichen Materialien, die für gute Verrottung wichtig sind, zu sehen, anzufassen und zu vermengen!!
Erster Streik erst nach einer Stunde
Rekordverdächtig: erst nach einer Stunde Häckselei hat unser Häcksler das erste Mal gestreikt und mit einem schrillen Motorengeräusch den Dienst quittiert – die Messer blockierten angesichts der vielen verschlungenen Wurzeln und Äste. Gut, dass auch noch trockenes, weiches Laub zu schreddern war – das hat ihn wieder besänftigt. Ein Riesenspaß: wir durften unser Erlesenes, Ausprobiertes und Nachgeahmtes den Besuchern weitergeben und sie haben uns mal so eben ratzfatz unseren Kompostplatz aufgeräumt, schlecht geratenen Kompost kuriert und gefühlte 18 Tonnen gehäckselt! Danke dafür!
Erfolgsmeldung 1: Einen Tag vor Einsetzen der angekündigten Herbststürme haben wir das große Zelt abgebaut. Das war knapp. Ob wir es im Frühling an anderer Stelle wieder aufbauen, oder auf vielfachen Wunsch eines einzelnen Vereinsmitglieds auf den Aufbau verzichten, steht noch nicht fest. Man darf gespannt sein. Erfolgsmeldung 2: Die Glasjurte steht. Unsere Freunde von Zug um Zug haben sich schon wieder selbst übertroffen. Ob wir den achteckigen Glaspalast als Wintergarten nutzen oder als Gewächshaus, wissen wir noch nicht. Die Tendenz geht eindeutig in Richtung Chill-Lounge. Man darf entspannt sein.
Von NeuLand nach Limburg: Eine Betkiste für Seine Exzellenz
Wie erst jetzt bekannt wurde, hat Franz-Peter Tebartz-van-Elst Anfang April bei NeuLand eine Betkiste bestellt und ohne Aufforderung und Rechnung 18.000 Euro überwiesen. Das verlautete aus eingeweihten Kreisen. Ein Bistumssprecher sagte, der Bischof habe sich über das Schnäppchen wie ein junger Gott gefreut: „18.000 Euro sind wohl nicht zuviel bezahlt für ein kleines Stück vom Paradies.“ Doch nach einer ersten Inaugenscheinnahme der Euro-Palette mit Aufbau trat Seine Exzellenz vom Kauf zurück. Das mit der Betkiste habe er sich irgendwie anders vorgestellt. Statt dessen wolle er doch lieber wie geplant in seiner kleinbescheidenen Privatkapelle den Allerhöchsten in mindestens so hohen Tönen loben. In die zurückgeschickte Kiste pflanzen wir Goldregen. Das sind wir ihr irgendwie schuldig.
Auch im NeuLand lässt der Oktober keinen Zweifel daran, was die Stunde geschlagen hat. Es herbstelt. Wer jetzt keine Beetkiste hat, der baut sich keine mehr. Wer jetzt allein ist, muss es nicht lange bleiben. Denn selbst in der unwirtlichen Jahreszeit trifft man im NeuLand eigentlich ständig Gemeinschaftsgärtner, die Beete wintertauglich machen, die letzte Ernte einfahren, Saatgut sammeln und sich über neue Mitgärtner und -gärtnerinnen freuen. Es ist viel passiert in den vergangenen Tagen: Angehende Gemeinschaftsgärtner von Wolgast bei Usedom bis Stuttgart beim Neckar haben an dem Workshop „Wie gründe ich einen Gemeinschaftsgarten?“ teilgenommen, zu dem wir gemeinsam mit der Anstiftung eingeladen hatten. Nach einer Führung durch unseren Garten war Bewegung angesagt. An zwei Tagen haben wir den Campus-Garten, die neue Gartenwerkstatt Ehrenfeld, den Guilleaume-Garten und die Pflanzstelle besucht.
Tanz auf drei Baustellen
Im NeuLand tanzen wir derzeit auf drei Baustellen. Die Gastro-AG treibt den Küchenausbau voran, Michel und Helfer sind dabei, eine Pergola zu bauen, um den Blauregen von der Alteburger Straße vor dem Abholzen in unseren Garten zu retten, und Gerhard bereitet die Eröffnung des neuen Eingangs an der Koblenzer Straße vor. Sieht ein bisschen so aus wie die Auffahrt zur Villa Hügel beim Baldeneysee. Nur geschwungener. Und rot. Und überhaupt bietet sich im NeuLand derzeit ein prachtvolles Farbenspiel. Die Ringelblumen blühen um die Wette, und der Baumspinat konkurriert mit dem wilden Wein um den Titel „Mister Indian Summer“. Ernten sollte man jetzt die letzten grünen Tomaten, deren Zweige sich in der seltenen Oktobersonne an die Rankhilfen klammern. Aber zugegeben: Das ist Klammern auf ganz hohem Niveau.
Rolf Krähmer ist ein Mann mit festen Überzeugungen: „Ich wohne in Nippes. Da fährt man nicht in die Südstadt!“ Aber getreu dem Motto „Wer feste Grundsätze hat, muss keine Prinzipien reiten“ machte der Geschäftsführer des Bau- und Liegenschaftsbetriebs NRW für NeuLand eine Ausnahme. Der Eigentümer unseres Grundstücks kam zur Chefvisite. Und so stand er neben Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes, die sich ebenfalls die Ehre gab, im Garten und war ziemlich baff: „Da haben Sie aber eine Menge auf die Beine gestellt.“ Und auf rote Erde.
Bürgergarten in öffentlichem Grün
Frau Bürgermeisterin war schwer entzückt. Für die Zukunft kann sie sich vorstellen, dass der NeuLand-Garten in die Verlängerung des Grüngürtels integriert wird. Ein Bürgergarten in öffentlichem Grün. Da simmer dabei. Natürlich haben wir auch den Geschäftsführer nach der Zukunft von NeuLand und dem Stand in Sachen Justizzentrum auf unserer Fläche gefragt. Er gab den Geheimniskrämer: „Wir prüfen derzeit etliche Alternativstandorte. Welche, kann ich nicht sagen.“ Auf die Frage, was man in zwei Jahren auf unserer Fläche sehen werde, war seine Antwort eindeutig: „Bagger.“ Jetzt mal unter uns, Herr Krähmer: Welchen Grund sollten wir haben, mit derart schwerem Gerät zu gärtnern?











