NeuLand Köln

Gemeinschaftsgarten im Kölner Süden

Seite 21 von 65

Unser Aufgaben-Duschvorhang: Was ihr jederzeit im NeuLand-Garten machen könnt

Ihr kommt häufig in den Garten, würdet gerne etwas tun, wisst aber nicht, was? Wir haben die Lösung!

Seid neustem hängt in der Halle des Volks (das ist der Langbau in der Mitte von NeuLand) unser Aufgaben-Fotoduschvorhang. Darin stecken Kärtchen mit allen Aufgaben, die ihr im Moment ohne großes Gartenwissen und Werkzeug einfach mal so erledigen könnt.

Zum Beispiel:

Die Pflänzchen im Gewächshaus gießen, Müll einsammeln und mitnehmen, Spielzeug wegräumen (Elternsache!) oder – ganz aktuell: Schnecken einsammeln und runter ans Rheinufer bringen. Dort unten schmeckt das Gras mindestens genauso gut wie unsere Salate und Kohlpflänzchen…

Der Duschvorhang wird immer wieder aktualisiert. Also schaut drauf und macht mit – und vergesst nicht, eure Arbeit dann in die Stundenliste einzutragen, die ebenfalls in einer der Fototüten im Duschvorhang steckt. Vielen Dank!

Urban Gardening Manifest: Warum die Stadt unser Garten ist

Jetzt sind auch wir unter die Manifestas gegangen. Warum? Weil wir den Beweggründen und Zielen der Urban Gardening Bewegung zusammen mit zahlreichen anderen Gemeinschaftsgärten in Deutschland Ausdruck verleihen möchten. Wir wollen gezielt daran mitwirken, dass unsere Städte lebenswerte Räume gelebter Nachhaltigkeit und Teilhabe werden. Dafür möchten wir Politik und Verwaltung überzeugen, sich für gemeinschaftliche Gartenräume einzusetzen.

Das Urban Gardening Manifest „Die Stadt ist unser Garten“ wurde beim bundesweiten Sommercamp der urbanen Gärtner im September 2014 in Nürnberg einstimmig verabschiedet. An der Redaktion war NeuLand über eineinhalb Jahre maßgeblich beteiligt – gemeinsam mit dem Allmende-Kontor, dem Prinzessinnengarten, dem Kiezgarten, „Eine andere Welt ist pflanzbar“ und der Anstiftung.

Wir sind Erstunterzeichner. Mehr als 110 Gemeinschaftsgärten in Deutschland, Österreich und der Schweiz haben das „Die Stadt ist unser Garten“ bereits unterzeichnet. Das Manifest gibt’s auch auf Englisch, Arabisch, Türkisch.

Kluge Köpfe, coole Katze und Kunst im Hause Kerp

Nacht muss sein, wenn Grafitties an der Cäsarstraße strahlen.

Nacht muss sein, wenn Grafitties an der Cäsarstraße strahlen.

Die schlechte Nachricht: Das Frühlingsfest ist ausgefallen. Wir hatten schlicht keinen Bock, im Regen zu feiern. Die gute Nachricht: Trotzdem war das Wochenende turbulent. 50 Leute vom Mensa-Verein haben unseren Garten besucht. Bei denen kann man nur Mitglied werden, wenn man einen Intelligenz-Quotienten über 130 hat und damit schlauer ist als 98 Prozent der Restbevölkerung. Wir haben unsere Gäste vor ihrem Hotel abgeholt und uns auch liebevoll darum gekümmert, dass sie nach der Führung wieder in den richtigen Bus stiegen. Keiner verlorengegangen. War lustig gewesen.

Alles wächst

Ansonsten geht es im Garten gerade gut ab. Alles sprießt. Am Samstagabend haben wir einen Blick in die Nachbarschaft geworfen und nochmal Herrn Kerp besucht. Der hat uns im vergangenen Jahr viele nützliche Dinge geschenkt. Wer erinnert sich nicht an die gelben Gummistiefel? Jetzt hat er sein Haus kurz vor dem Abriss für eine spektakuläre Kunst-Aktion zur Verfügung gestellt. War super gewesen.

Bürgerbeteiligung für #ParkstadtSüd begonnen – Großmarkt-Wissen gibt’s nur häppchenweise

Mit sechs Rundgängen durch verschiedene Abschnitte des Sanierungsgebiets hat am 18.4.2015 die Bürgerbeteiligung für die Parkstadt Süd begonnen – jenen riesigen neuen Stadtteil, der in den nächsten 20 Jahren am südliche Rand der Innenstadt entstehen soll, auch dort, wo jetzt NeuLand steht. Wir waren dabei bei Rundgang Nummer 3, der Großmarkt-Tour. Dort wird ab 2020, wenn die Mietverträge auslaufen, Stadtbaugeschichte geschrieben. Aber wie?

Steht einem künftigen Grüngürtel womöglich voll im Weg: Städtisches Gebäude zwischen Großmarkt und Bonner Straße

Steht einem künftigen Grüngürtel womöglich voll im Weg: Städtisches Gebäude zwischen Großmarkt und Bonner Straße

Das Großmarktgelände ist das Filetstück der künftigen Parkstadt Süd. Nirgendwo sonst wird so viel gebaut werden, kein anderes Gebiet lässt so viele Fantasien sprießen wie dieses Gewirr aus Straßen, Zufahrten, Hallen und Gebäuden. Kein Wunder, dass sich unter die Gruppe von Rundgang-Teilnehmern auch Projektentwickler gemischt haben. Die von „Moderne Stadt“ sind da: Die Rheinauhafen-Macher von damals wollen die Parkstadt-Macher von morgen sein.

Wir erinnern uns. Der Rheinauhafen ist ein sozial und ökologisch misslungenes Stadtbauprojekt. Er ist einer der Gründe, warum sich NeuLand 2011 formiert hat: Um zu verhindern, dass zwischen Südstadt und Zollstock, zwischen Uni und Rhein ein neuer Rheinauhafen entsteht. Der Rheinauhafen lebt nicht, und das aus purem Kalkül. Trauen wir diesen Entwicklern zu, einen lebendigen, lebenswerten und nachhaltig durchdachten Stadtteil zu wollen?

In diesem Prozess der #ParkstadtSüd-Entstehung wird es darum gehen, wer wann die richtigen Infos hat – und wer die überzeugendsten Visionen. Einige wichtige Infos (wem gehört hier welches Stück Land, wie lange gehen die Mietverträge zu welchen Konditionen?) haben diese Projektentwickler längst: Ihr Chef ist der bestens informierte Ex-Baudezernent Bernd Streitberger, dessen ehemaliger Referent, Andreas von Wolff, als ebenso gut informierter Rentier hier mitläuft und Auskunft gibt.

Gut informierter Rentier: Andreas von Wolff vor der Großmarkthalle

Gut informierter Rentier: Andreas von Wolff vor der Großmarkthalle

Uns teilnehmenden Bürgern wird das Wissen nur häppchenweise und in kleinen Ausschnitten zur Verfügung gestellt. Das liegt schon am Aufbau der Route. Die „Scouts“ führen uns nicht direkt auf das Marktgelände, sondern erstmal außen herum, den gesamten Bischofsweg entlang.  Erst nach einer halben Stunde gelangen wir zum Haupteingang. Wir haben keine Zeit, uns das gesamte Gelände anzuschauen, uns einen Überblick über das Innenleben des Markts zu verschaffen.

Dafür wartet eine Flut von Infos über die Großmarkthalle auf uns: Der ehemalige Marktvorsteher und der Denkmalschützer der Stadt berichten von der architektonischen, historischen und wirtschaftlichen Bedeutung des 1936 erbauten Gebäudes, das teilweise auf einem ehemaligen jüdischen Friedhof steht. Was immer auch die imposante Beton-Hülle mit dem maroden Keller eines Tages beherbergen wird – ob Jugendzentrum, Bauernmarkt, Museum, Multizweckhalle, Einkaufsmall oder alles zusammen – es wird das Herz des neuen Stadtteils sein.

Ein Blick noch auf den Bunker, die Info, dass östlich der Halle im Boden das geschliffene „Fort Nikolaus“ vermutet wird – dann ist die Zeit schon um.

Historischer Schatz unter dem Asphalt: Hier wird "Fort Nikolaus" erwartet

Historischer Schatz unter dem Asphalt: Hier wird „Fort Nikolaus“ erwartet

Wir haben mit keinem der mehr als 5000 Menschen gesprochen, die hier täglich arbeiten. Wir haben mit keinem Mitglied des Schützenvereins geredet, die den Bunker von innen kennen. Wir haben nicht mit den Bewohnern der Übergangswohnheime entlang der Marktstraße gesprochen. Wir haben keinen der zahlreichen Künstler getroffen, die auf dem Großmarkt ihr Atelier haben. Und wir haben nicht diejenigen kennengelernt, die hier angeblich illegal wohnen.

Werden sie im Laufe der Bürgerbeteiligung noch eine Stimme bekommen?

Vom Schmuddelgarten zum Schlüsselakteur. Bürgerbeteiligung: Wir alle sind ganz ernsthaft sowas von gefragt

Wir sind tatsächlich auf dem offiziellen Plakat.

Wir sind tatsächlich auf dem offiziellen Plakat.

Weit war der Weg von der Idee, einen mobilen Gemeinschaftsgarten zu gründen, bis auf das offizielle Plakat der Stadt, mit dem für die Bürgerbeteiligung an dem Jahrhundertprojekt „Parkstadt Süd“ geworben wird. Was das Plakat-Foto angeht, werden da natürlich die richtigen Prioritäten gesetzt. Wir sind in dem Verfahren „Schlüsselakteur“. Das heißt zwar noch nicht viel, aber immerhin so viel, dass wir gefragt werden. Das ist schön, hat aber den hauptsächlich angenehmen Nebeneffekt, dass wir Antworten geben dürfen, müssen und vor allem wollen. Ein paar Fragen vorab: Wie möchten wir in 20 Jahren in diesem neuen Stadtteil leben? Komplett autofrei? CO2-neutral? Wollen wir mehr Energie produzieren, als wir verbrauchen? Wie soll das Müll- und Wassermanagement aussehen? Wo stehen unsere Kisten in vielleicht schon fünf Jahren?

Mitmachen bei der Parkgestaltung

Bis zu den Themenabenden im Mai werden wir gemeinsam Antworten formulieren. Auch auf die Fragen, die für den „Themenabend 4“ von der Stadt bereits formuliert sind: „Wie kann der Park unterschiedliche Nutzungen ermöglichen? Wie können mögliche Initiativen bei der Parkgestaltung mitmachen?“ An Ideen mangelt es uns da ganz gewiss nicht. Einige davon stehen im Positionspapier des Bürgernetzwerkes Südliche Innenstadterweiterung, andere gehen darüber hinaus. Die Auftaktveranstaltung der Bürgerbeteiligung mit etwa 250 Leuten haben wir aus NeuLand-Sicht positiv erlebt. Der Moderator Klaus Overmeyer und Baudezernent Franz-Josef Höing haben glaubwürdig vermittelt, dass sie es ernst meinen mit unserer Beteiligung. Wir lassen uns gegenseitig aufeinander ein.

Anlaufstelle von Spaziergängen

NeuLand war übrigens Anlaufstelle für zwei von sechs Spaziergängen, mit denen die Bürger zu Beginn des Beteiligungsverfahrens das Sanierungsgebiet erkundet haben. Wir haben etwa 50 Besucher über unseren Garten informiert und sind durchweg auf positive Resonanz gestoßen. Viel los war am Sonntag im Garten. Jede Menge Leute waren da und ließen sich von Frank bei einem eher ungeplanten Bienen-Workshop informieren. Und wir haben Ninas Kunstwerk rückgebaut. Ein turbulentes Wochenende. Wir halten kurz inne, holen tief Luft und formulieren mal ganz unbescheiden unser wichtigstes Anliegen in dem Bürgerbeteiligungsverfahren: Wir sind gekommen, um zu bleiben. Nur der Ort steht noch nicht fest.

So viele neue Gärtnerinnen und Gärtner! Wir freuen uns wie Bolle auf die Saison!!

Dani zeigt allen, wo es bei den Kräutern lang geht.

Dani zeigt allen, wo es bei den Kräutern lang geht.

Hier und jetzt ist Raum und Zeit, um Danke zu sagen. Vielen Dank an all die Menschen, die am Sonntag unserer Einladung gefolgt sind, sich über das veränderte NeuLand-Konzept zu informieren. Natürlich gilt weiterhin das Gartengründungs-Grundgesetz „Alles gehört allen“. Neu ist, dass Einzelne oder Gruppen die Verantwortung für ein oder zwei Beetkisten übernehmen können. Dafür zahlen sie eine Nutzungsgebühr in Höhe von zwei Euro pro Monat pro Kiste. In der Gebühr enthalten sind die befüllte Kiste, die kostenlose Nutzung von Strom, Wasser, Saatgut, Geräte für die Bewirtschaftung und das Recht, die reiche Ernte einzufahren. Wer eine Kiste „übernimmt“, pflegt für ihn und die Gemeinschaft unentgeltlich eine „Allmende“-Kiste mit. Deren Ertrag kann jeder nutzen. Die Resonanz auf unsere Einladung war überwältigend. Alle Kisten, die wir gegen Nutzungsgebühr abgeben wollten, sind vergeben. Und spätestens heute haben die Planungen für das Willkommensfest von allen für alle begonnen. Sollte die Nachfrage nach Kisten weiter so hoch bleiben, überlegen wir uns was, um alle zufrieden zu stellen. Wir seh’n uns. Ab jetzt öfter.

« Ältere Beiträge Neuere Beiträge »

© 2026 NeuLand Köln

Theme von Anders NorénHoch ↑